Seatrip Isle of Wight AIDA (c) Lomoherz

Seatrip: Isle of Wight

Auf der Isle of Wight, südlich der Südküste Englands, war ich schon einmal. Ebenfalls nur für ein paar Stunden, denn damals wohnten wir in einem Backpacker-Hostel in Bournemouth und mehr als einen Tagesausflug auf diese Insel konnten wir uns nicht leisten. Statt einer warmen Mahlzeit gönnten wir uns die Hop-on-and-off Bustour über die Insel. Als wir einmal rum waren, fuhren wir direkt nochmal einmal rum, denn der Sturm wehte uns die Locken vom Kopf. Den Bus hatten wir bei diesem Wetter zwar für uns (wir verharrten trotzig auf dem halboffenen Oberdeck), aber zum on-and-off-hoppen fehlte uns die spontane Sturmfestigkeit. In England war es wichtiger, trinkfest zu sein. Also lernten wir die Insel vom Rand aus kennen, sprangen 1-2 mal raus, stürmten an die Klippen und der Sturm hielt uns für Witzfiguren.

 

Ganz anders 10 Jahre später: Als wir unser Kreuzfahrtschiff am Port von Southampton verlassen und am anderen Ende des Kais mit der Fähre zur Isle of Wight übersetzen, wähnen wir uns fast in der Karibik. Ist das wirklich dieselbe Insel? Denn dieses Mal ist alles bunt und schillernd und türkis und voll. Und ich hatte nur eine halb verlassene Insel voller Kreidefelsen in Erinnerung. Pretty nontheless.

 

Nach der Überfahrt im Jacky-O-Stil steigen wir galant als letzte Passagiere von Bord. Meine Reisebegleitung ist das erste Mal auf dieser Insel und ich glaube, es gefällt ihnen hier. Wahrscheinlich erwarten sie, dass ich gleich einen Regenschirm hochhalte und sie im Staccato über die Insel scheuche. Aber die Tatsache, dass wir nicht wie vor 10 Jahren via Lymington übersetzten und ich nichts wiedererkenne, setzt meiner Reiseführer-Karriere ein jähes Ende.

 

Also marschieren wir zielsicher zur nächsten Bushaltestelle. Und dann zum nächsten Bankautomaten, denn der Busfahrer will Cash und fährt schon mal ohne uns weiter. Für eine komplette Rundtour reicht unsere Zeit sowieso nicht, also nehmen wir eine kürzere Nebentour ins Innere der Insel, ebenfalls mit Hop-on-and-off Prinzip (ratet mal, wie oft wir aus- und eingestiegen sind). Und hinter den sicheren Scheiben unseres Touri-Busses ereilt uns dann doch noch eine Episode Best of British Wetter.

 

Als wir am Nachmittag mit der Speed Ferry zurück nach Southampton sausen, bin ich trotzdem glücklich, dass wir eine andere Tour genommen haben. So konnten die Isle of Wight und ich uns noch einmal ganz neu kennenlernen. Kannte ich vorher nur die rauen Klippen und wilden Küstenabschnitte der Jurassic Coast, eröffnete diese Tour den pittoresken südenglischen Dorfcharme – eine Mischung aus Cotswolds, Rentnerjungbrunnen und shabby-chic Küstenorte. How marvellous.

 

Inzwischen hat sich die Isle of Wight zur „UK’s Dinosaur Capital“ erhoben. Fossilien aus dem Dino-Zeitalter, also dem Jura (daher auch Jurassic Coast, Jurassic Park usw.), gibt es hier fast wie Sand am Meer … und zur Not im Souvenirladen. Und dann ist da noch das Isle of Wight Festival, für das die Insel spätestens 1970 berühmt wurde. Englands oder gar Europas Woodstock wenn man so will. 2002 wurde das Isle of Wight Festival neu aufgelegt und findet jedes Jahr im Juni in Newport statt.

 

Ob ich noch ein drittes Mal auf diese Insel schippern würde? Absolutely, Schätzchen. Dann aber endlich mal länger als ein paar Stunden und am besten nochmal von einem anderen Ort aus, damit wieder alles neu ist.

Seatrip Isle of Wight AIDA (c) Lomoherz (28)

 

Teil der Lomoherz Seatrip-Reihe

Kamera: Canon EOS 3000 N

Filme: Fuji Superia 400 (sonnig) & Kodak Portra 400 (bewölkt)

Dev & Scan: Mein Film Lab

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